White Privilege: Den unsichtbaren Rucksack auspacken

Dies ist eine Übersetzung des Textes „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“ (1988) von Peggy McIntosh.

[Edited to add 10.12.2014: @evilmel_ hat mit ein paar anderen die Übersetzung nochmal überarbeitet. Danke!]

White Privilege: Den unsichtbaren Rucksack auspacken

Tägliche Auswirkungen von White Privilege
Schwer fassbar und flüchtig
Verdiente Stärke, unverdiente Macht

„Mir wurde beigebracht, Rassismus nur in einzelnen Handlungen der Gemeinheit zu sehen, nicht in unsichtbaren Systemen, die meiner Gruppe Dominanz verleihen.“

Peggy McIntosh

Bei der Arbeit, Materialien und Perspektiven aus der Frauenforschung in den Rest des Lehrplans zu bringen, habe ich oft den Unwillen von Männern bemerkt, einzuräumen, dass sie ihm Lehrplan übermäßig privilegiert sind, selbst dann, wenn sie einräumen, dass Frauen benachteiligt sind. Sie mögen sagen, dass sie auf die Verbesserung des Status von Frauen in der Gesellschaft, der Universität oder im Lehrplan hinarbeiten wollen, aber dass sie nicht die Idee unterstützen können oder wollen, den von Männern zu verringern. Bestreiten, das Tabus gleichkommt, umgibt das Thema Privilegien, die Männer durch die Benachteiligung von Frauen gewinnen. Dieses Bestreiten schützt davor, dass männliche Privilegien voll anerkannt, vermindert oder beendet werden.

Indem ich über nicht anerkanntes männliches Privileg als Phänomen nachdachte, erkannte ich, da Hierarchien in unserer Gesellschaft ineinandergreifen, dass es höchstwahrscheinlich ein Phänomen beim White Privilege gibt, das gleichermaßen bestritten und geschützt wird. Als weiße Person, erkannte ich, ich war Rassismus als etwas gelehrt worden, das anderen zum Nachteil gereicht, war aber nicht gelehrt worden, einen seiner resultierenden Effekte, das weiße Privileg, zu sehen, das mir einen Vorteil verschafft.

Ich denke, Weißen wird so sorgfältig beigebracht, White Privilege nicht zu erkennen, wie Männern beigebracht wird, Male Privilege nicht zu sehen. So habe ich auf eine ungeschulte Art begonnen, zu fragen, wie es ist, White Privilege zu haben. Ich sehe White Privilege jetzt als ein unsichtbares Paket unverdienten Vermögens, auf dessen Einlösung ich mich jeden Tag verlassen kann, bei dem aber vorgesehen war, dass ich es nicht wahrnehme. Weißes Privileg ist wie ein unsichtbarer gewichtsloser Rucksack voll mit besonderen Vorräten, Karten, Ausweisen, Codebüchern, Visa, Kleidung, Werkzeugen und Blankoschecks.

White Privilege zu beschreiben, macht eine*n neu verantwortlich. Wie wir in der Frauenforschung daran arbeiten, männliches Privileg aufzuzeigen, und Männer auffordern, ihre Macht aufzugeben, muss jemand, die*der darüber schreibt, White Privilege zu haben, fragen “Nachdem ich es beschrieben habe, was will ich tun, um es zu verringern oder zu beenden?”

Nachdem ich das Ausmaß, in dem Männer auf der Basis von nicht eingestandenem Privileg arbeiten, erkannt habe, habe ich verstanden, wie viel der Unterdrückung durch sie ihnen unbewusst war. Dann erinnerte ich mich an die häufigen Vorwürfe von Women of Color [1], dass weiße Frauen, denen sie begegnen, unterdrückend seien. Ich begann zu verstehen, warum wir (Weißen) gerade als unterdrückend gesehen werden, auch wenn wir uns nicht so sehen. Ich fing an, die Arten zu zählen, auf die ich unverdientes Privileg aufgrund meines Weißseins genieße, und auf die Nichtbeachtung dessen Existenz ich konditioniert worden war.

Meine Ausbildung hat mich nicht trainiert, mich selbst als Unterdrückerin zu sehen, als unfair begünstigte Person, oder als Mitwirkende an einer beschädigten Kultur. Mir wurde beigebracht, mich als Individuum zu sehen, dessen moralischer Zustand vom individuellen moralischen Willen abhängt. Meine Ausbildung folgte dem Muster meiner Kollegin Elizabeth Minnich, die darauf hingewiesen hat: Weiße lernen, über ihr Leben als moralisch neutral, normativ und durchschnittlich und auch ideal zu denken, so dass, wenn wir auf das Wohl anderer hin arbeiten, das als Arbeit dahin gerichtet gesehen wird, die “ihnen” erlaubt, mehr wie “wir” zu sein.

Tägliche Auswirkungen von White Privilege

Ich beschloss, an mir selbst zu arbeiten, indem ich wenigstens ein paar der täglichen Auswirkungen von White Privilege in meinem Leben identifiziere. Ich habe die Bedinungen ausgewählt, die in meinem Fall etwas mehr mit Privileg aufgrund meines Weißseins verknüpft sind, als mit Klasse, Religion, ethnischem Status, oder geografischer Lage, obwohl natürlich alle diese anderen Faktoren kompliziert miteinander verwoben sind. Soweit ich es beurteilen kann, können meine afrikanisch-amerikanischen Kolleg*innen, Freund*innen und Bekannten, mit denen ich in täglichen oder häufigen Kontakt komme, zu dieser/m speziellen Zeit, Ort und Arbeitsgebiet, auf die meisten dieser Bedinungen nicht zählen.

1. Ich kann, wenn ich möchte, arrangieren, die meiste Zeit in der Gesellschaft von Menschen zu sein, die, wie ich, weiß sind.

2. Ich kann vermeiden, Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich zu misstrauen gelehrt wurde und die gelernt haben, meinesgleichen oder mir zu misstrauen.

3. Wenn ich umziehen muss, kann ich ziemlich sicher sein, eine Wohnung mieten oder kaufen zu können in einer Gegend, die ich mir leisten kann und in der ich leben wollen würde.

4. Ich kann ziemlich sicher sein, dass meine Nachbar*innen in einer solchen Gegend neutral oder nett zu mir sind.

5. Ich kann die meiste Zeit alleine einkaufen gehen, und ziemlich sicher sein, dass ich nicht verfolgt oder belästigt werde.

6. Ich kann den Fernseher einschalten oder die Titelseite der Zeitung anschauen und Menschen repräsentiert sehen, die wie ich weiß sind.

7. Wenn mir über unser nationales Erbe oder “Zivilisation” erzählt wird, wird mir gezeigt, dass Menschen sie dazu gemacht haben, was sie ist, die, wie ich, weiß sind.

8. Ich kann sicher sein, dass meinen Kindern Lernmaterialien gegeben werden, die die Existenz von Menschen bezeugen, die, wie sie, weiß sind.

9. Wenn ich will, kann ich ziemlich sicher sein, eine*n Verleger*in für dieses Stück über White Privilege zu finden.

10. Ich kann ziemlich sicher sein, dass meine Stimme in einer Gruppe, in der ich das einzige weiße Mitglied bin, gehört wird.

11. Ich kann sorglos darüber sein, ob oder ob ich nicht einer anderen Person in einer Gruppe, in der er*sie das einzige weiße Mitglied ist, zuhöre.

12. Ich kann in ein Musikgeschäft gehen und darauf zählen, die Musik vertreten zu finden bzw. in einen Supermarkt und die Grundnahrungsmittel kaufen, die meinen kulturellen Traditionen entsprechen und in einen Frisiersalon gehen und jemanden finden, der*die meine Haare schneiden kann.

13. Egal ob ich Schecks, Kreditkarten oder Bargeld verwende, kann ich darauf zählen, dass der Umstand, dass ich weiß bin, nicht gegen den Anschein meiner finanziellen Zuverlässigkeit arbeitet.

14. Ich kann dafür sorgen, dass meine Kinder die meiste Zeit vor Menschen, von denen sie wegen Vorurteilen nicht gemocht werden, geschützt sind.

15. Ich muss meine Kinder nicht dazu erziehen, sich zu ihrem eigenen täglichen physischen Schutz über Rassismus bewusst zu sein.

16. Ich kann ziemlich sicher sein, dass die Lehrer*innen und Arbeitgeber*innen meiner Kinder sie akzeptieren werden, wenn sie in Schul- und Arbeitsplatznormen passen; meine Hauptsorgen um sie betreffen nicht die rassistische Haltung anderer.

17. Ich kann mit vollem Mund reden und ohne dass Menschen das darauf zurückführen, dass ich weiß bin.

18. Ich kann fluchen, Kleidung aus zweiter Hand anziehen, oder Briefe nicht beantworten, ohne dass Menschen diese Entscheidungen auf die schlechte Moral, die Armut oder die Analphabet*innenrate der Weißen zurückführen.

19. Ich kann in der Öffentlichkeit zu einer mächtigen männlichen Gruppe sprechen, ohne dabei stellvertretend die Weißen auf den Prüfstand zu stellen.

20. Ich kann in einer schwierigen Situation gut abschneiden, ohne eine Ehre für die Weißen, genannt zu werden.

21. Ich werde nie gebeten, für alle Weißen zu sprechen.

22. Ich kann die Sprachen und Gebräuche von People of Color, die die Mehrheit in der Welt ausmachen, unbeachtet lassen, ohne in meinem weißen Umfeld eine Strafe für solche Gleichgültigkeit zu spüren.

23. Ich kann unsere Regierung kritisieren, und darüber reden, wie sehr ich ihre Konzepte und ihr Verhalten fürchte, ohne als Außenseiter*in aufgrund meines Weißseins gesehen zu werden.

24. Ich kann ziemlich sicher sein, dass, wenn ich die “verantwortliche Person” sprechen will, ich eine Person vor mir haben werde, die, wie ich, weiß ist.

25. Wenn ein*e Verkehrspolizist*in mich herauswinkt oder das Finanzamt meine Steuererklärung prüft, kann ich sicher sein, dass ich nicht ausgewählt wurde, weil ich weiß bin.

26. Ich kann leicht Poster, Postkarten, Bilderbücher, Grußkarten, Puppen, Spielzeug und Kinder-Zeitschriften mit Abbildungen von Menschen kaufen, die, wie ich, weiß sind.

27. Ich kann von den meisten Treffen von Organisationen, denen ich angehöre, nach Hause gehen und mich einigermaßen eingebunden fühlen anstatt isoliert, fehl am Platz, in der Unterzahl, ungehört, auf Abstand gehalten oder gefürchtet.

28. Ich kann ziemlich sicher sein, dass eine Auseinandersetzung mit eine*r Kolleg*in, die nicht wie ich weiß ist, eher seine*ihre Aufstiegschancen gefährdet als meine.

29. Ich kann ziemlich sicher sein, dass, wenn ich für die Förderung einer Person, die nicht wie ich weiß ist oder eines Programms, das sich um den Ausgleich rassistischer Diskriminierung dreht, argumentiere, unwahrscheinlich ist, dass mir das in meiner jetzigen Situation schadet, auch wenn meine Kolleg*innen mit mir nicht übereinstimmen.

30. Wenn ich erkläre, dass ein rassistisches Problem vorliegt, oder dass kein rassistisches Problem vorliegt, wird mein Weißsein mir mehr Glaubwürdigkeit für beide Positionen verleihen als eine Person of Color sie haben wird.

31. Ich kann mich entscheiden, die Entwicklungen im Minority Writing [Schreiben von Minderheiten] oder bei den Aktivismus-Programmen für Minderheiten zu ignorieren oder zu verunglimpfen oder aus ihnen zu lernen, in jedem Fall aber Wege finden, mehr oder weniger vor negativen Konsequenzen dieser Entscheidungen geschützt zu sein.

32. Meine weiße Sozialisation vermittelt mir kaum Befürchtungen davor, die Perspektiven und die Macht von Menschen zu ignorieren, die nicht, wie ich, weiß sind.

33. Mir wird nicht akut bewusst gemacht, dass meine Form, mein Verhalten oder mein Körpergeruch auf alle Menschen zurückfallen wird, die, wie ich, weiß sind.

34. Ich kann mir über Rassismus Gedanken machen, ohne als eigennützig oder selbstsüchtig gesehen zu werden.

35. Ich kann einen Job bei einer*m Arbeitgeber*in, di*er benachteiligte Gruppen fördert, annehmen, ohne dass meine Arbeitskolleg*innen vermuten, ich hätte ihn bekommen, weil ich weiß bin.

36. Wenn mein Tag, meine Woche oder mein Jahr schlecht läuft, brauche ich mich nicht bei jeder negativen Episode oder Situation zu fragen, ob sie rassistische Untertöne hatte.

37. Ich kann ziemlich sicher sein, Leute zu finden, die bereit sind, über meine nächsten beruflichen Schritte mit mir zu reden und mich zu beraten.

38. Ich kann über viele Optionen, soziale, politische, imaginäre oder berufliche, nachdenken, ohne zu fragen, ob eine Person, die, wie ich, weiß ist, akzeptiert oder ihr gestattet würde, zu tun, was ich tun will.

39. Ich kann zu spät zu einem Meeting kommen, ohne dass die Verspätung darauf zurückfällt, dass ich weiß bin.

40. Ich kann öffentliche Unterkünfte wählen, ohne Angst, dass Menschen, die, wie ich, weiß sind, nicht hinein können oder misshandelt werden an den Orten, die ich gewählt habe.

41. Ich kann sicher sein, dass, wenn ich rechtliche oder medizinische Hilfe benötige, der Fakt, dass ich weiß bin, nicht gegen mich arbeiten wird.

42. Ich kann meine Aktivitäten so arrangieren, dass ich nie Gefühle von Ablehnung erleben muss, die darauf beruhen, dass ich weiß bin.

43. Wenn ich geringe Glaubwürdigkeit als Führungskraft habe, kann ich sicher sein, dass nicht das Problem ist, dass ich weiß bin.

44. Ich kann leicht akademische Kurse und Institutionen finden, die nur Leuten Aufmerksamkeit schenken, die wie ich weiß sind.

45. Ich kann erwarten, dass Bildsprache und Bilder in allen Künsten von Erfahrungen von Menschen zeugen, die, wie ich, weiß sind.

46. Ich kann Abdeckstifte oder Pflaster in “fleischfarben“ nehmen und sie passen mehr oder weniger zu meiner Hautfarbe.

47. Ich kann alleine oder mit meine*m Ehefrau*mann reisen, ohne mit Verlegenheit oder Feindseligkeit derjenigen, die mit uns zu tun haben, zu rechnen.

48. Ich habe keine Schwierigkeiten, Wohnviertel zu finden, wo die Menschen unseren Haushalt billigen.

49. Meinen Kindern werden Texte und Unterrichtsstunden gegeben, die unsere Art der Familie implizit unterstützen und sie nicht gegen meine Wahl der häuslichen Partnerschaft einnehmen.

50. Ich fühle mich willkommen und “normal” in den üblichen Bereichen des öffentlichen Lebens, institutionellen und sozialen.

Schwer fassbar und flüchtig

Ich habe jede der Erkenntnisse auf dieser Liste immer wieder vergessen, bis ich sie niederschrieb. Für mich hat sich White Privilege als schwer fassbar und flüchtig herausgestellt. Der Druck, ihm aus dem Weg zu gehen, ist groß, denn wenn ich mich ihm stelle muss ich den Mythos der Meritokratie [2] aufgeben. Wenn diese Dinge wahr sind, ist dies nicht so ein freies Land, das Leben ist nicht, was man daraus macht: viele Türen öffnen sich für bestimmte Leute durch etwas anderes als ihre eigenen Tugenden.

Beim Auspacken des unsichtbaren Rucksacks mit White Privilege, habe ich Bedingungen alltäglicher Erfahrung aufgelistet, die ich vorher für selbstverständlich hielt. Auch habe ich von keiner dieser Bedingungen als schlecht für den Inhaber gedacht. Ich denke jetzt, dass wir eine feiner differenzierte Taxonomie [3] für Privilegien benötigen, da einige dieser Variationen nur das sind, was man für alle wollen würde in einer gerechten Gesellschaft, und andere die Lizenz geben, ignorant, ahnungslos, arrogant und destruktiv zu sein.
Ich sehe ein Muster die Matrix von White Privilege durchziehen, ein Muster von Annahmen, die an mich als weiße Person weitergegeben wurden. Es gab ein wichtiges Stück Kulturrasen, es war mein Rasen, und ich war bei denen, die den Rasen kontrollieren konnten. Mein Weißsein war ein Vorteil für jede Bewegung, die ich erzogen war, machen zu wollen. Ich konnte über mich als auf wesentliche Arten zugehörig denken, und daran, die Sozialsysteme für mich funktionieren zu lassen. Ich konnte frei verunglimpfen, fürchten, vernachlässigen oder ahnungslos sein gegenüber allem außerhalb der dominanten weißen Formen. Als Angehörige der weißen Dominanzkultur konnte ich diese auch ziemlich frei kritisieren.

In dem Maße, wie meine weiße Gruppe selbstsicher, ungezwungen und ahnungslos gemacht wurde, dürften andere Gruppen unsicher, unbehaglich und entfremdet geworden sein. Weißsein schützte mich vor vielen Arten von Feindseligkeit, Angst und Gewalt, die mir wiederum auf subtile Art antrainiert wurde, People of Color aufzuerlegen.

Aus diesem Grund erscheint mir das Wort “Privileg” jetzt irreführend. Normalerweise denken wir über Privilegien als in einer bevorzugten Lage sein, ob verdient oder durch Geburt oder Glück übertragen. Doch arbeiten einige der Bedingungen, die ich hier beschrieben habe, systematisch darauf hin, bestimmte Gruppen zu über-ermächtigen. Ein solches Privileg verleiht einfach Dominanz, weil jemand weiß ist.

Verdiente Stärke, unverdiente Macht

Ich will dann unterscheiden zwischen verdienter Stärke und unverdienter Macht. Verliehenes Privileg kann wie Stärke aussehen, wenn es tatsächlich eine Erlaubnis ist, zu entkommen oder zu dominieren. Aber nicht alle Privilegien auf meiner Liste sind zwangsläufig schädlich. Einige, wie die Erwartung, dass die Nachbar*innen anständig zu dir sein werden, oder dass vor Gericht nicht gegen dich verwendet wird, dass Du weiß, Schwarz oder Person of Color bist, sollten die Norm sein in einer gerechten Gesellschaft. Andere, wie das Privileg weniger mächtige Menschen zu ignorieren, verzerren die Menschlichkeit sowohl der Inhaber als auch der ignorierten Gruppen.

Wir könnten zumindest beginnen, indem wir unterscheiden zwischen positiven Vorteilen, bei denen wir daran arbeiten können, sie auszubreiten, und negativen Arten von Vorteilen, die, wenn sie nicht zurückgewiesen werden, immer unsere gegenwärtigen Hierarchien stärken werden. Zum Beispiel sollte das Gefühl, dass man in den menschlichen Kreis gehört, wie die amerikanischen Ureinwohner*innen sagen, nicht ein Privileg Weniger sein.
Im Idealfall ist das ein Anspruch, den man nicht verdienen muss. Derzeit, da nur Wenige ihn haben, ist es ein unverdienter Vorteil für diese. Dieser Artikel resultiert aus einem Prozess des Erkennens, dass einiges der Macht, die ich ursprünglich als zum menschliches-Wesen-Sein in den Vereinigten Staaten zugehörig sah, aus unverdientem Vorteil und übertragener Dominanz bestand.

Ich habe nur sehr wenige Männer getroffen, die wirklich erschüttert waren über systemisches, unverdientes, männliches Privileg und die damit übertragene Dominanz.
Und so ist eine Frage für mich und andere wie mich, ob wir wie sie sein werden, oder ob wir wirklich erschüttert, sogar empört sein werden, über weiße Privilegien und damit übertragene Dominanz, und wenn ja, was wir tun werden, um diese zu verringern. In jedem Fall müssen wir mehr daran arbeiten, zu identifizieren, wie sie tatsächlich Einfluss auf unser tägliches Leben haben. Viele, vielleicht die meisten, unserer weißen Studierenden in den Vereinigten Staaten glauben, dass Rassismus sie nicht betrifft, weil sie keine People of Color sind; sie sehen Weißsein nicht als Teil ihrer Identität.

Darüber hinaus, da Weißsein und Mannsein nicht die einzigen bevorteilenden Systeme am Werk sind, müssen wir gleichermaßen die täglichen Erfahrungen mit Vorteilen durch Alter oder Ethnizität oder körperliche Fähigkeit oder Vorteile in Bezug auf Nationalität, Religion oder sexuelle Orientierung untersuchen.

Schwierigkeiten und Gefahren um die Aufgabe, Parallelen zu finden, gibt es viele. Da Rassismus, Sexismus und Heterosexismus nicht gleich sind, sollten die Vorteile, die mit ihnen verbunden sind, nicht als gleich angesehen werden. Darüber hinaus ist es schwierig, Aspekte unverdienten Privilegs zu entwirren, die mehr auf sozialer Klasse, ökonomischer Klasse, Weißsein, Religion, Geschlecht und kultureller Identität beruhen, als auf anderen Faktoren. Dennoch sind alle Unterdrückungen miteinander verzahnt, wie die Mitglieder des Combahee River Collective in ihrem “Black Feminist Statement” von 1977 aufgezeigt haben.

Ein Faktor scheint klar über all die verzahnten Unterdrückungen: Sie nehmen sowohl aktive Formen an, die wir sehen können, als auch eingebettete Formen, die man als Mitglied der dominanten Gruppen gelehrt wird, nicht zu sehen. In meiner Klasse und meinem Ort habe ich mich selbst nicht als rassistisch gesehen, weil mir beigebracht wurde, Rassismus nur in einzelnen Handlungen der Gemeinheit von Mitgliedern meiner Gruppe zu sehen, nie in unsichtbaren Systemen, die unaufgefordert von Geburt an weiße Dominanz auf meine Gruppe übertragen.

Missbilligung des Systems wird nicht ausreichen, um dies zu ändern. Mir wurde beigebracht, zu denken, dass Rassismus enden könnte, wenn weiße Individuen ihre Haltung ändern würden. Aber Weißsein öffnet in den Vereinigten Staaten viele Türen für Weiße, egal ob oder ob wir nicht die Art, wie Dominanz auf uns übertragen wurde, billigen. Individuelle Handlungen können diese Probleme lindern, aber nicht beenden.

Um soziale Systeme neu zu gestalten, müssen wir zuerst ihre kolossalen unsichtbaren Dimensionen anerkennen. Das Schweigen und Abstreiten, das weiße Privilegien umgibt, sind die wichtigsten politischen Werkzeuge hier. Sie halten das Denken über Gleichberechtigung oder Gleichheit unvollständig, schützen unverdientes Privileg und übertragene Dominanz, indem sie dieses Thema tabuisieren. Das meiste Gerede von Weißen über Chancengleichheit erscheint mir jetzt über die Chancengleichheit zu sein, zu versuchen, in eine dominante Position zu kommen, während man abstreitet, dass Systeme von Dominanz existieren.

Es scheint mir, dass Ignoranz gegenüber weißen Privilegien, genau wie Ignoranz gegenüber männlichen Privilegien in den Vereinigten Staaten stark unbewusst unterstützt gehalten wird, um den Mythos der Meritokratie aufrecht zu erhalten, den Mythos, dass demokratische Wahl für alle gleichermaßen verfügbar ist. Dass die meisten Menschen unwissend darüber gelassen werden, dass die Freiheit selbstbewusster Aktion nur für eine kleine Anzahl von Menschen da ist, unterstützt diejenigen, die an der Macht sind und dient dazu, die Macht in den Händen der gleichen Gruppen zu halten, die bereits am meisten davon haben.

Obwohl systemische Veränderung viele Jahrzehnte dauert, gibt es drängende Fragen für mich und, so stelle ich mir vor, für einige andere wie mich, wenn wir unser tägliches Bewusstsein für die Begünstigungen des Weiß-Seins erhöhen. Was wollen wir mit diesem Wissen tun? Wie wir aus der Beobachtung von Männern wissen, ist es eine offene Frage, ob wir uns entscheiden, unverdienten Vorteil zu nutzen, und ob wir etwas von unserer willkürlich verliehenen Macht nutzen, um zu versuchen, Machtsysteme auf einer breiteren Basis zu rekonstruieren.

Quelle:
White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack via Amptoons und via NYMBP (.pdf)

Links:
Combahee River Collective via History Is A Weapon: The Combahee River Collective Statement (1977)
Wikipedia: Combahee River Collective [Englisch | Deutsch]
Wikipedia: Whiteness Studies | Weißsein
Transcript: Barack Obama’s Speech on Race, March 18, 2008
Linksnet: Critical Whiteness – ein falscher Freund?