Was ist Rape Culture?

[Triggerwarnung, offensichtlich]

Aus der englischen Wikipedia übersetzt:

Rape Culture ist ein Konzept, das verwendet wird, um eine Kultur zu beschreiben, in der Vergewaltigung und sexuelle Gewalt weit verbreitet sind, und in der vorherrschende Einstellungen, Normen, Praktiken und Medien sexuelle Gewalt normalisieren, entschuldigen, tolerieren, oder sogar gutheißen.

Beispiele für Verhaltensweisen die üblicherweise mit Rape Culture verbunden werden, sind Victim Blaming [Schuld auf das Opfer schieben], sexuelle Objektifizierung, und Trivialisierung von Vergewaltigung.

Rape Culture ist verwendet worden, um Verhalten innerhalb sozialer Gruppen abzubilden, darunter Strafvollzugssysteme, wo Gefängnisvergewaltigung weit verbreitet ist, und Krisengebiete, wo Vergewaltigung im Krieg als psychologische Kriegsführung verwendet wird. Ganzen Ländern wurde ebenfalls vorgeworfen, Vergewaltigungskulturen zu sein.[1][2][3][4][5]

Obwohl das Konzept der Rape Culture eine allgemein akzeptierte Theorie in der feministischen Wissenschaft ist, besteht noch Uneinigkeit darüber, was eine Vergewaltigungskultur definiert, und bis zu welchem Grad eine bestimmte Gesellschaft die Kriterien erfüllt, um als Vergewaltigungskultur betrachtet zu werden.

Rape Culture, so wurde festgestellt, korrelliert mit anderen sozialen Faktoren und Verhaltensweisen. Die Forschung hat eine Korrelation zwischen Vergewaltigungsmythen, Victim Blaming und Trivialisierung von Vergewaltigung mit einer erhöhten Inzidenz von Rassismus, Homophobie, Altersdiskriminierung, Klassismus, religiöser Intoleranz und anderen Formen von Diskriminierung identifiziert. [6][7] […]

Feministische Theorie

Der Rape Culture Theorie zufolge, wird sexistisches Handeln oft eingesetzt, um frauenfeindliche Praktiken zu validieren und zu rationalisieren. Zum Beispiel können sexistische Witze erzählt werden, um Respektlosigkeit gegenüber Frauen und eine begleitende Missachtung ihres Wohlergehens zu fördern. Ein Beispiel wäre, ein weibliches Vergewaltigungsopfer dafür verantwortlich zu machen, vergewaltigt worden zu sein, wegen der Art, wie sie sich gekleidet oder gehandelt hat.

In der Rape Culture wird sexualisierte Gewalt gegen Frauen als ein Kontinuum angesehen in einer Gesellschaft, die die Körper von Frauen als standardmäßig sexuell verfügbar betrachtet.[23]

Als Ursache für Rape Culture wird in der Regel die „Herrschaft über und Objektifizierung von Frauen“ angenommen.[24] Allerdings meint die akademische Theorie, dass Rape Culture nicht unbedingt eine einzelne Ursache hat, und dass Ursachen basierend auf anderen sozialen Aspekten der Kultur lokalisiert werden können.[25] Zum Beispiel führte in Südafrika die übergeordnete „Kriegskultur“, die Männlichkeit und Gewalt hervorhebt, zu einer Kultur, in der Vergewaltigung normalisiert wurde.[22][24]

Ein öffentliches Dokument des University of California Davis [Health System] unterstellte, dass die Durchsetzung des Befolgens von sozialen Regeln durch Frauen und die Konditionierung auf Geschlechterrollen die Hauptursachen waren.[26] Laut einer Studie über Date Rape [Vergewaltigung nach Verabredungen], gelten geschlechtsspezifische Missverständnisse als wichtiger Faktor, der zu einer Rape Culture auf dem Campus führt.[27] Der allgemeine Unwillen von Polizei und Staatsanwälten, Vergewaltigungen zu verfolgen, wo keine Gewalt involviert war, oder wo das Opfer irgendeine Beziehung mit dem Agressor hatte, wird ebenfalls als Motivation für Date Rape und Vergewaltigung auf dem Campus angegeben. [25]

Rape Culture steht auch in engem Zusammenhang mit Slut-Shaming [„Schlampen“ beschämen] und Victim Blaming [Schuld auf das Opfer schieben], wo Vergewaltigungsopfer als für die Vergewaltigung verantwortlich betrachtet werden, und es wird argumentiert, dass diese Verbindung der Präsenz einer Kultur geschuldet ist, die weibliche Sexualität beschämt [skandalisiert]. Dass einige Vergewaltigungen nicht bei der Polizei gemeldet werden aus Angst, sie würden nicht geglaubt, wird oft als Symptom von Rape Culture genannt [25] [28], dass sie dachten, die Polizei würde ihnen nicht glauben, wird als Grund von 6% der Frauen angegeben, die Vergewaltigung nicht gemeldet haben. [29] Pornographie wurde auch häufig als Beitrag zu Rape Culture ins Visier genommen, weil sie als Beitrag zu größeren Mustern von Unterdrückung angenommen wird. Einer der Wege, wie sie dies tun soll, ist, indem sie den weiblichen Körper zur Ware reduziert.[30]

Obwohl viel ihres frühen Einsatzes alsTheorie, um das Auftreten von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt zu erklären, auf Vergewaltigung von Frauen fokussiert war, ist Rape Culture als nachteilig sowohl für Männer als auch für Frauen beschrieben worden. Einige Autoren und Redner, wie Jackson Katz, Michael Kimmel, und Don McPherson, sagten, dass sie untrennbar verbunden ist mit Geschlechterrollen, die männliche Selbstdarstellung limitieren und psychische Schäden an Männern verursachen.[31]

Aus „Transforming a Rape Culture“ von Emilie Buchwald, Pamela Fletcher und Martha Roth (via Finally Feminism 101 / Shakesville: Rape Culture 101) übersetzt:

Eine Vergewaltigungskultur ist ein Komplex von Überzeugungen, die männliche sexuelle Aggressionen fördern und Gewalt gegen Frauen unterstützen. Sie ist eine Gesellschaft, in der Gewalt als sexy und Sexualität als gewalttätig angesehen wird. In einer Vergewaltigungskultur nehmen Frauen ein Kontinuum angedrohter Gewalt wahr, die von sexuellen Bemerkungen, sexuellen Berührungen, bis hin zu Vergewaltigung selbst reicht. Eine Vergewaltigungskultur duldet physischen und emotionalen Terror gegen Frauen als die Norm.

In einer Vergewaltigungskultur gehen sowohl Männer als auch Frauen davon aus, dass sexuelle Gewalt eine Lebenswirklichkeit ist, unausweichlich wie der Tod oder Steuern. Diese Gewalt ist jedoch weder biologisch noch gottgewollt. Vieles, das wir als unvermeidlich akzeptieren, ist in Wirklichkeit Ausdruck von Werten und Haltungen die sich ändern können.

Aus Finally Feminism 101 / Shakesville: Rape Culture 101 übersetzt:

Rape Culture fördert männliche sexuelle Aggression. Rape Culture betrachtet Gewalt als sexy und Sexualität als gewalttätig. Rape Culture behandelt Vergewaltigung als Kompliment, als ungezügelte Leidenschaft, erregt in einem gesunden Mann von einer schönen Frau, die den Drang unwiderstehlich macht, ihr Mieder aufzureißen, oder sie gegen eine Wand zu schlagen, oder gegen einen schmiedeeisernen Zaun oder eine Motorhaube, oder sie an den Haaren zu ziehen, oder sie auf ein Bett zu schubsen, oder eine Million weiterer Bilder von Kampf-Ficken in Filmen und TV-Shows und auf den Titelseiten von Liebesromanen, die vermitteln, dass gewalttätige Triebe untrennbar mit (heterosexueller) Sexualität verbunden sind.

Rape Culture behandelt Heterosexualität als Norm. Rape Culture wirft queere Sexualität mit nicht-konsensualen sexuellen Praktiken wie Pädophilie und Sex mit Tieren in einen Topf. Rape Culture privilegiert Heterosexualität, weil allgegenwärtige Bilder von zwei Erwachsenen des gleichen Geschlechts in egalitären Partnerschaften ohne geschlechtsspezifische Dominanz und Unterwerfung (fehlerhafte) biologische Begründungen für die Existenz von Rape Culture unterminieren.

Rape Culture ist, Vergewaltigung als Waffe zu verwenden, als Werkzeug von Krieg und Völkermord und Unterdrückung. Rape Culture ist, Vergewaltigung als Korrektiv einzusetzen, um queere Frauen zu „heilen“. Rape Culture ist eine militarisierte Kultur und „das natürliche Produkt aller Kriege, überall, zu allen Zeiten, in allen Formen.“

Rape Culture ist, dass 1 von 33 Männern einmal im Leben sexuell angegriffen wird. Rape Culture ermutigt Männer, die Sprache von Vergewaltigung zu benutzen, um Dominanz über einander herzustellen („Ich mach dich zu meiner Bitch“). Rape Culture macht Vergewaltigung zu einem allgegenwärtigen Teil von männlichem Bonding. Rape Culture ignoriert die riesige Notwendigkeit einer Reform für Männergefängnisse teilweise, weil die Bedrohung, im Gefängnis vergewaltigt zu werden, als akzeptable Abschreckung, Verbrechen zu begehen, betrachtet wird, und die Bedrohung nur funktioniert, wenn tatsächliche Männer tatsächlich vergewaltigt werden.

Rape Culture ist, dass 1 von 6 Frauen einmal im Leben sexuell angegriffen wird. Rape Culture ist, nicht mal über die Realität, dass viele Frauen mehrfach in ihrem Leben sexuell angegriffen werden, zu reden. Rape Culture ist die Art und Weise, in der die ständige Bedrohung sexueller Übergriffe die täglichen Bewegungen von Frauen beeinträchtigt. Rape Culture erklärt Mädchen und Frauen vorsichtig zu sein, was man anzieht, wie man es anzieht, wie man auftritt, wohin man geht, wann man dort hin geht, mit wem man geht, wem man vertraut, was man tut, wo man es tut, mit wem man es tut, was man trinkt, wieviel man trinkt, ob man Augenkontakt herstellt, ob, man allein ist, ob man mit einem Fremden zusammen ist, ob man in einer Gruppe ist, ob man in einer Gruppe Fremder ist, ob es dunkel ist, ob die Gegend nicht vertraut ist, ob man etwas trägt, wie man etwas trägt, was für Schuhe man trägt für den Fall dass man weglaufen muss, was für eine Tasche man mitnimmt, welchen Schmuck man trägt, wie spät es ist, welche Straße es ist, welches Umfeld es ist, mit wievielen Leuten man schläft, mit was für Leuten man schläft, wer deine Freunde sind, wem du deine Nummer gibts, wer anwesend ist wenn der Lieferservice kommt, ein Apartment zu bekommen wo man sieht wer an der Tür ist bevor man aufmacht, zu gucken bevor man dem Lieferservice die Tür aufmacht, einen Hund oder eine Maschine die Hundegeräusche macht zu besitzen, sich eine/n Mitbewohner/in zu suchen, Selbstverteidigungskurse zu machen, immer wachsam und aufmerksam zu sein und immer die Augen aufzuhalten und immer die Umgebung wahrnehmen, und nie unachtsam sein für einen Moment damit du nicht sexuell angegriffen wirst, und wenn doch und du wirst und du hast nicht alle Regeln befolgt, ist es dein Fehler.

Rape Culture ist Victim-Blaming. Rape Culture ist, wenn ein Richter einem Kind die Schuld an ihrer eigenen Vergewaltigung gibt. Rape Culture ist, wenn ein Pfarrer die Schuld den Kindern gibt, die seine Opfer waren. Rape Culture wirft einem Kind vor, Geiselhaft, Vergewaltigung und Folter zu genießen. Rape Culture investiert enorm viel Zeit, irgendeinen Grund zu finden, warum einem Opfer für ihre/seine eigene Vergewaltigung die Schuld gegeben werden kann.

Rape Culture ist, wenn Richter die Verwendung des Wortes Vergewaltigung im Gerichtssaal verbieten. Rape Culture ist, wenn die Medien Euphemismen für sexuelle Übergriffe benutzen. Rape Culture ist, wenn Stories über Vergewaltigung unter „Odd News“ [Seltsame Nachrichten] gebracht werden.

Rape Culture ist, den Opfern die Last der Vergewaltigungsprävention aufzuerlegen.

Rape Culture ermutigt Frauen, Selbstverteidigung zu lernen, als ob das die die einzige erforderliche Lösung wäre, Vergewaltigung zu verhindern. Rape Culture mahnt Frauen, „gesunden Menschenverstand zu lernen“ oder „verantwortungsvoller zu sein“ oder „sich der Risiken in Bars bewusst zu sein“ oder „diese Orte zu meiden“ oder „sich nicht auf diese Art zu kleiden„, und versagt, Männer zu ermahnen, nicht zu vergewaltigen.

Rape Culture ist, wenn „nichts“ die häufigste Antwort auf die Frage ist, was Leute formell über Vergewaltigung gelehrt wurden.

Rape Culture ist, wenn Jungen unter 10 Jahren wissen, wie man vergewaltigt.

Rape Culture ist die Vorstellung, dass nur bestimmte Leute vergewaltigen – und nur bestimmte Leute vergewaltigt werden. Rape Culture ignoriert, dass das Ding bei Vergewaltigern ist, dass sie Menschen vergewaltigen. Sie vergewaltigen Menschen die stark sind und Menschen die schwach sind, Menschen die klug sind und Menschen die dumm sind, Menschen die sich wehren und Menschen die sich fügen um es hinter sich zu bringen, Menschen die Schlampen sind und Menschen die prüde sind, Menschen die reich sind und Menschen die arm sind, Menschen die groß sind und Menschen die klein sind, Menschen die fett sind und Menschen die dünn sind, Menschen die blind sind und Menschen die sehen, Menschen die gehörlos sind und Menschen die hören, Menschen aller Rassen* und Formen und Größen und Fähigkeiten und aller Umstände.

Rape Culture ist die Erzählung, dass Sexarbeiter_innen nicht vergewaltigt werden können. Rape Culture ist die Behauptung, dass Ehefrauen nicht vergewaltigt werden können. Rape Culture ist die Behauptung, dass nur nette Mädchen vergewaltigt werden können.

Rape Culture weigert sich anzuerkennen, dass die einzige Sache, die die Opfer alle Vergewaltiger gemeinsamen haben, verficktes Pech ist. Rape Culture weigert sich anzuerkennen, dass das einzige, was ein Mensch tun kann, um nicht vergewaltigt zu werden ist, nie im selben Raum wie ein Vergewaltiger zu sein. Rape Culture ist, zu vermeiden darüber zu reden, was für eine absurd unsinnige Erwartung das ist, da Vergewaltiger sich nicht ankündigen, Schilder tragen oder lila leuchten.

Rape Culture ist, wo Menschen, die dich schützen sollen – wie Eltern, Lehrer, Ärzte, Pfarrer, Polizisten, Soldaten, Selbstverteidigungslehrer – dich stattdessen vergewaltigen.

Rape Culture ist, wenn ein Serien-Vergewaltiger in ein staatliches Panel berufen wird, das Entscheidungen bezüglich der Gesundheit von Frauen trifft.

Rape Culture ist ein Urteil, das sagt, Frauen könnten ihre Einwilligung nicht zurückziehen, wenn der Sex einmal begonnen hat.

Rape Culture ist ein kollektives Verständnis über Klassifikationen von Vergewaltigern: Der „normale“ Vergewaltiger (dessen Verbrechen höchst wahrscheinlich mit einer „Boys Will Be Boys“ [Jungen sind nun mal so] -Art scherzhafter Entschuldigung abgewiesen wird) ist der Mann, der sich attraktiven Frauen aufzwingt, Frauen in seinem Alter in guter Gesundheit und Form, dessen Verbrechen seinen männlichen Verteidigern erschreckend verständlich ist. Die „echten Irren“ sind die Männer, die es auf Kinder, alte Frauen, Behinderte, Unfallopfer im Koma abgesehen haben – der Art von Menschen, die sich nicht wehren können, deren Vergewaltigung schwerlich als erregend vorstellbar ist, im Gegensatz zur Vergewaltigung „hübscher Mädchen“, die so einfach in eine Kampffick-Fantasie zu gießen ist, von Kreischen und Winden und schlussendlich der Schmeichelei, vergewaltigt zu werden, nachgeben.

Rape Culture ist das Beharren auf den Versuch, zwischen verschiedenen Arten von Vergewaltigung zu unterscheiden via Verwendung von Begriffen wie „Grauzonenvergewaltigung“ oder „Date Rape„.

Rape Culture sind allgegenwärtige Erzählungen über Vergewaltigungen, die trotz gegenteiliger Beweise existieren.

Rape Culture sind allgegenwärtige Vorstellungen über Vergewaltigung durch Fremde, obwohl Frauen dreimal häufiger von jemandem, den sie kennen, als von einem Fremden vergewaltigt werden, und neun Mal häufiger zu Hause, bei jemandem den sie kennen zu Hause, oder anderswo als auf der Straße vergewaltigt werden, so dass, was man gemeinhin als „Date Rape“ bezeichnet, mit Abstand die häufigste Art von Vergewaltigung ist.

Rape Culture ist allgegenwärtiges Beharren darauf, dass falsche Beschuldigungen verbreitet sind, obwohl sie weniger häufig (1,6 %) als falsche Beschuldigungen über Autodiebstahl (2,6 %) sind. Rape Culture sind allgegenwärtige Behauptungen, dass Frauen „einfach so“ Vergewaltigungsvorwürfe machen, wenn 61% der Vergewaltigungen ungemeldet bleiben.

Rape Culture ist die allgegenwärtige Erzählung, dass es eine „typische“ Art gibt, sich zu verhalten, nachdem man vergewaltigt wurde, anstatt der Anerkennung, dass die Reaktionen auf Vergewaltigung so vielfältig wie ihre Opfer sind, dass unmittelbar nach einer Vergewaltigung, einige Frauen einen Schock erleiden; einige luzid sind, einige ärgerlich sind; einige sich schämen, einige stoisch sind; einige erratisch sind; einige Anzeige erstatten wollen, einige nicht; einige handeln werden, einige sich in sich selbst verkriechen werden; einige ein gesundes Sexualleben haben werden, einige niemals wieder.

Rape Culture ist die allgegenwärtige Erzählung, dass einem Vergewaltigungsopfer, das ihre/seine Vergewaltigung anzeigt, bereitwillig geglaubt und es gut unterstützt wird, anstatt anzuerkennen, dass eine Vergewaltigung anzuzeigen ein riesiger persönlicher Einsatz ist, ein schwieriger Prozess, der peinlich, beschämend, verletzend, frustrierend sein kann, und allzu oft vergeblich. Rape Culture ignoriert, dass es sehr wenig Anreiz gibt, eine Vergewaltigung anzuzeigen; es ist eine schreckliche Erfahrung mit niedriger Wahrscheinlichkeit, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Rape Culture sind Krankenhäuser, die keine Beweissicherung machen, ungläubige Strafverfolgungsbehörden, unmotivierte Staatsanwälte, feindselige Richter, Opfer beschuldigende Geschworene, und dürftige Strafzumessungen.

Rape Culture ist die Tatsache, dass höhere Fallzahlen von Vergewaltigung dazu neigen mit niedrigeren Verurteilungsraten zu korrelieren.

Rape Culture ist Schweigen zu Vergewaltigung im nationalen Diskurs und bei Vergewaltigungsopfern zu Hause. Rape Culture ist, Vergewaltigung durchgemacht zu haben als etwas zu behandeln, für das man sich schämen müsste.

Rape Culture ist, wenn Familien auseinander gerissen werden wegen Vergewaltigungsvorwürfen, die nicht geglaubt oder ignoriert oder in einem Stahltresor aus Geheimhaltung in einem tiefen dunklen Meer versenkt werden.

Rape Culture ist die Objektifizierung von Frauen, die Teil eines Entmenschlichungsprozesses ist, der Zustimmung irrelevant macht. Rape Culture ist, Körper von Frauen wie öffentliches Eigentum zu behandeln. Rape Culture ist Belästigung auf der Straße und Angrabschen in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gleichsetzung der Körper vergewaltigter Frauen mit einem Mann, der mit aus den Taschen hängenden Wertsachen herumläuft. Rape Culture ist, wenn die meisten Männer so weit entfernt sind von der Bedrohung durch Vergewaltigung, dass ihnen Diebstahl als naheliegendster Vergleich zu einem gewaltsamen sexuellen Übergriff einfällt.

Rape Culture ist, 13jährige Mädchen wie Trophäen für Männer, die als große Künstler betrachtet werden, zu behandeln.

Rape Culture ist, zu ignorieren, in welcher Weise berufliche Umfelder, die sexuellen Zugang zu weiblichen Untergebenen als Ansprüche erfolgreicher Männer behandeln, Zwang verursachen und enthusiastische Zustimmung kompromittieren können.

Rape Culture ist, wenn ein überführter Vergewaltiger stehende Ovationen in Cannes bekommt, einen Cameo-Auftritt in einem Kinohit, und ein Wiederaufleben seiner Karriere bei dem er Witze darüber machen kann, wie er es hasst zu sehen, wenn Menschen verletzt werden.

Rape Culture ist, wenn es heißt, Hundekämpfe zu veranstalten rufe mehr Empörung hervor als es die Vergewaltigung einer Frau würde.

Rape Culture sind verwischte Linien zwischen Hartnäckigkeit und Zwang. Rape Culture ist, verminderte Fähigkeit zur Zustimmung als natürlichen Weg zu sexueller Aktivität zu behandeln.

Rape Culture ist, vorzugeben, dass nicht-physische sexuelle Übergriffe wie Voyeurismus völlig ohne Bezug zu brutalen und physischen sexuellen Übergriffen sind, anstatt sie als Kontinuum sexueller Übergriffe zu betrachten.

Rape Culture mindert die Schwere jeder sexuellen Nötigung, versuchten sexuellen Nötigung oder Kultur tatsächlichen oder potenziellen Zwangs in jeder Weise.

Rape Culture ist, das Wort „Vergewaltigung“ zu benutzen, um etwas, das mit dir gemacht werden muss, und nicht erzwungenen oder abgenötigten Sex, zu beschreiben. Rape Culture ist, Dinge zu sagen wie „Der Geldautomat hat mich mit einer riesigen Gebühr vergewaltigt“ oder „Das Finanzamt hat mich auf meine Steuern vergewaltigt“.

Rape Culture ist, Vergewaltigung als Unterhaltung zu nutzen, in Filmen und TV-Shows und Büchern und in Videospielen.

Rape Culture sind Fernsehsendungen und Filme, die Vergewaltigung weglassen aus Situationen, wo sie im wirklichen Leben präsent und eine signifikante Gefahr wäre.

Rape Culture ist, wenn Amazon anbietet „Vergewaltigungs“-Produkte für Sie zu finden.

Rape Culture sind Vergewaltigungwitze. […]

Rape Culture ist, wenn Menschen die Einwände gegen den Müll der Rape Culture haben, eher überempfindlich genannt werden, als Menschen, die Rape Culture perpetuieren, nicht empfindlich genug.

Rape Culture ist, wie die unzähligen Arten, auf die Vergewaltigung stillschweigend und offen begünstigt und gefördert wird, jede Ecke unserer Kultur so gründlich saturiert haben, dass Leute nicht so einfach begreifen, was Rape Culture eigentlich ist.

Und das ist längst nicht alles. Es ist lediglich die Spitze eines unermesslichen Eisbergs.

Rape Culture ist die verbreitete Fehlinterpretation von „Schrödingers Rapist“ dahingehend, dass alle Männer für potentielle Vergewaltiger gehalten würden, anstatt als Aufforderung, Ängste zu respektieren, und sich entsprechend zu verhalten.

Rape Culture ist Scott Adams‘ Intelligenz beleidigender Blogpost „Pegs and Holes“, in dem er erklärte, Männer können nicht anders und die von der Gesellschaft auferlegte Zurückhaltung in Bezug auf Vergewaltigung sei gegen die männliche Natur.

Rape Culture ist, wenn Strafverteidiger Penetration einer schlafenden oder halb schlafenden Frau nicht als Vergewaltigung qualifizieren. Und wenn derjenige, dem das vorgeworfen wird, erklärt „Schweden ist das Saudi-Arabien des Feminismus. Ich bin in ein Hornissennest des revolutionären Feminismus gefallen“ und seine Unterstützer Fehlverhalten nicht bei ihm sondern bei „Feministen (Typ Feminazi)“ sehen.

Rape Culture ist, wenn Todd Akin behauptet, von „legitimate rape“ könne man nicht schwanger werden, weil der weibliche Körper „Wege hat“, „diese ganze Sache herunterzufahren“. Und Rape Culture ist vor allem, dass er nicht der einzige „Pro-Life“ / Anti-Choice-Vertreter ist, der so etwas verbreitet.

Rape Culture ist, wenn ein 31jähriger vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wird, weil sein 15jähriges Opfer Nein gesagt, sich aber aus Angst nicht gewehrt hat. Rape Culture ist, wenn dann plötzlich und kurzfristig die breite Masse schockiert, weswegen sich Feminist_innen seit Jahren die Tastaturen fusselig schreiben. Rape Culture ist ein Vergewaltigungsparagraph, der nicht jede Form von sexuellem Verkehr ohne Zustimmung unter Strafe stellt. Und Strafverteidiger, die erklären, dass müsse so sein, weil sonst einvernehmlicher Sex nachträglich in eine Straftat umgedeutet werden könnte.

Rape Culture ist, wo Juristen den Unterschied zwischen sexualisierter Gewalt und Sex am wehren oder nicht wehren festmachen. Und über Leute, die darauf hinweisen, dass daran was nicht in Ordnung ist, erklären, diese wollten die Unschuldsvermutung aushebeln oder gleich den Rechtsstaat abschaffen.

Vorher in diesem Blog:
Consent Culture 101 für Dummies

Links:
FinallyFeminism101: FAQ: Rape Culture
Rape Crisis England and Wales: Common Myths About Rape
The Pervocracy: Rescripting Sex
The Pervocracy: Asking.

9 comments

  1. Kyra

    ich bin fassungslos. Werden diese „Werte“ noch immer an Frauen vermittelt? …sei anständig, dann passiert dir „so etwas“ auch nicht?

  2. Kyra

    ich dachte das Thema wäre wirklich gegessen. Bin wirklich erschüttert. Bin Jahrgang 1955 und dachte DAS hätten wir hinter uns. Muss ich jetzt wieder…? Es scheint so zu sein. Es kotzt mich an.

  3. Pingback: Kachelmann, rape culture und das allgemeine Wegschauen | Geschnatter rund um den Kirchturm
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  5. Pingback: rokeblog » Blog Archive » Die Vehemenz der Sexisten
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