Nothing personal

 

tl;dr in dem ich ein paar Mal „scheiße“ sage

Ich will nicht politisch sein. Es verdirbt mir ungefähr jeden Tag den Tag.

Ich lese mein eigenes Twitter und denke, „Halt doch einfach die Klappe, nützt ja eh nichts“. Ich hab mein Darktwitter aufgegeben, weil ich ständig Angst hatte, dass Leute nichts mehr von mir wissen wollen, wenn ich was Falsches sage. „Wie kannst du nur sowas von mir denken?“ Ich denke das gar nicht. Ich hab nur Angst.

Gefühlt hat immer Priorität, wie schlimm die Verletzung durch Kritik ist, und nie, dass der Kritik Verletzungen zugrunde liegen, die schwerer wiegen als sich persönlich beschämt fühlen. Sexismus ist nichts Persönliches. Unterdrückung ist nichts Persönliches. Sich zurückziehen, wenn Kritik eine*n selber betrifft, ist nichts Persönliches. Menschen ausschließen, die sich wünschen, dass man Verantwortung übernimmt, und weniger nur redet und mehr macht, wenns drauf ankommt, ist nichts Persönliches.

Es gibt kein unpolitisch. Man verhält sich immer zu Dingen. Auch durch Nichtstun, Schweigen, Raushalten.

Man kann nicht die konsensfähigen Inhalte von Leuten teilen die nebendran ein Rundum-Sorglos-Paket aus Scheiße auffahren, diskriminieren, belästigen und mobben, und damit nichts zu tun haben wollen.

Ich wünschte, es würden nicht so viele Leute einen Widerspruch sehen, wenn jemand gleichzeitig ein netter Mensch und ein Arschloch ist, und Unterdrückung und andere Scheiße damit verteidigen, dass die Person aber „eigentlich ein netter Mensch ist“ und die Kritik damit ja nun irgendwie falsch sein müsste.

Ich wünschte, es würden weniger Menschen unterstellen, „PC Culture“ würde Perfektion und Unmögliches verlangen, wo man nur ein bisschen weniger vermeidbare Scheiße will.

Es macht mich wütend, dass Menschen in bestimmten privilegierten Positionen sich verbitten können, für ihre Handlungen kritisiert zu werden, und dafür auch noch Unterstützung bekommen. Dass viele theoretisch/abstrakt Handlungen verurteilen, in konkreten Fällen dann aber auf Ausnahmen verweisen, dass es kompliziert ist, wie schlimm es jetzt ist, dass ihnen unterstellt wird, sie würden $sowas unterstützen.

Ostracizers are Evil. Geek Social Fallacy #1. Weil Täter ausschließen ein zu hoher Preis ist, schließt man im Ergebnis Betroffene aus und Menschen, die sich mit ihnen solidarisieren. „Man muss auch die andere Seite sehen“. Aber warum soll man so tun, als gäbe es bei Sexismus, Harassment, Mobbing, Übergriffen, Stalking, Vergewaltigung auf der einen und Betroffenen auf der anderen Seite „zwei Seiten“, zwischen deren Interessen man abwägen könnte? Damit das Sinn macht, muss man den kompletten Machtkontext ausblenden.

Ich will nicht, dass Opfer die sozialen Folgen ausbaden müssen. Ich will, dass Täter[*innen] und ihre Unterstützer*innen Verantwortung tragen, erst recht wenn sie sich feministisch identifizieren. Sich gegenseitig raus halten aus feministischen Kontexten, die sie für die Opfer ansonsten unsicher machen. Dass die Opfer rein formell nicht ausgeschlossen werden, heißt nicht, dass deren Rückzug freiwillig ist.

Es gibt kein neutral befreundet sein mit Vergewaltigern, Stalkern, Mobbern und Menschen, die diese unterstützen. Es ist nicht neutral, nichts zu sagen, wenn sich im Freundeskreis lustig gemacht wird, Menschen angegangen, beschimpft und lächerlich gemacht werden. Und der Unterstützungsfav unter gegen Feminist*innen gerichtete Scheiße ist auch nicht neutral.

Ich denke, man kann mit Tätern befreundet sein, ohne sich gleichzeitig komplett scheiße zu verhalten. Ich hab das heute etwas anders formuliert getwittert und von zwei Menschen, deren Meinung ich sehr schätze, Widerspruch bekommen. Vielleicht geht es nicht. Ich wünsche mir jedenfalls, dass das geht.

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Ich habe vor kurzem nochmal Sara Ahmed’s „Feminist Killjoys“ gelesen. Ahmed beschreibt dort das Phänomen, dass Feminist*innen, wenn sie auf ein Problem aufmerksam machen, als Störer*in und Quelle des Problems ausgemacht werden.

Ich wünschte, dass sich mehr Menschen darauf einlassen würden, den Gründen dafür auf den Grund zu gehen.

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