Was wir über Liebe, Sex und Hausarbeit schon immer nicht so genau wissen wollten

In der ak war heute ein sehr schöner Text von Sarah Speck mit dem Titel »Unterschiedliche Sauberkeitsstandards« darüber, wie sich heterosexuelle Paare über ungleich verteilte Hausarbeit belügen. In dem Text stand nichts wirklich Neues, aber ich möchte ihn trotzdem dringend empfehlen, weil er ein richtig guter Einstieg ist für Menschen in hetero- und hetero-ähnlichen Beziehungsformen in dieses Thema rund um Ungleichheit in Beziehungen.

Was die Autorin gut herausstellt, ist, dass uns unsere eigene Gleichheitslegende auf die Füße fällt, wenn wir sagen, dass wir emanzipierte Partnerschaft leben, und nicht eingestehen können, wenn das nicht mit der Realität übereinstimmt.

Nadine Lantzsch hat schon 2012 bei der AG Queer Studies dazu vorgetragen, wie eine neoliberale/postfeministische Gleichheitsrhetorik, die das Geschlechterverhältnis als nicht mehr hierarchisch darstellt, tatsächliche Gleichstellung verhindert. (Mein Post dazu.)

Und ich habe auch schon öfter zu dem Thema geschrieben. Ich zitier mich mal selber:

Männer nehmen nicht ihren Frauen Arbeit ab, wenn sie sich an der Arbeit, die Haushalt, Kind(er), und sie selber verursachen, beteiligen. Männer hören nur damit auf, ihre Frauen auszubeuten.

Simone de Beauvoir hat mal sinngemäß gesagt, dass Töpfe scheuern aus Liebe erträglicher sei […]. Und das ist der Trick. Auch heute noch machen Frauen, selbst in auf Gleichberechtigung angelegten heterosexuellen Zweierbeziehungen, tendenziell mehr Hausarbeit. Frauen machen systemtragende Scheiße™ mit aus Liebe. Und weil sie sich nicht eingestehen, dass in überholten Rollenbildern feststeckende Männer sie schamlos ausnutzen könnten.

Das können wir uns natürlich nicht eingestehen. Unsere Partner sind ja nicht so und würden doch nie. Aber doch. Natürlich würden unsere total emanzipatorischen Partner wie so ziemlich alle ihre unemanzipatorischen Pendants auf unsere Kosten von den Verhältnissen profitieren. Das passiert ständig und andauernd. Wir wollen es nur nicht wissen.

Selbst Anfang 20jährige Frauen, die in Jungs-WGs die Töpfe schrubben, schaffen es heute, sich irgendwie als emanzipiert zu begreifen, weil das für Teile ihres Lebens stimmt, und der Rest ist dann halt „Liebe“.

Heute würde ich noch viel weiter gehen und sagen, dass das Problem nicht ausschließlich heterosexuelle Beziehungen betrifft, sondern es auch andere Konstellationen gibt, in denen das so passiert. Außerdem würde ich das „Zweier-“ in Zweierbeziehung streichen, denn A) sind auch in Mehrfachbeziehungen die einzelnen Beziehungen meistens „Zweier-“ und B) sind Mehrfachbeziehungen grundsätzlich erstmal 0% emanzipatorischer als RZBs. (Dazu könntet ihr diesen Text lesen.)

Wir betrügen uns selbst, weil unsere Beziehungen sonst schon an unseren Minimalstandards scheitern würden.

Und es ist sogar noch schlimmer. Unsere privilegierteren Partner*innen stecken auch den Rahmen dafür ab, wie wir auszusehen haben, wie wir uns zu verhalten haben, damit wir attraktiv sind und nicht zu anstrengend und überhaupt in Frage kommen für eine Beziehung.

Sexuelle Anziehung ist politisch. Und um das abzukürzen, und weil ich das hier und hier schon mal aufgeschrieben hatte: Männliche Dominanz überwinden wollen ist nicht sexy.

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Ich hatte übrigens auch einen Text in der ak 615: Vom Privileg, über anderer Leute Realität zu philosophieren (Eine Replik auf den Beitrag von Anja Hertz in ak 613)

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