Schlagwörter: generisches maskulinum ist bestes maskulinum

Holla der Waldelf*, Frau Rosenfeld.

tl;dr Ich las Zeit Online und schön war’s nicht.

Das ist kein Aufschrei. Anders als Sie bzw. Ihre Autorin Dagmar Rosenfeld (und mit ihr ein ganzer Haufen Maskulist*n, Antifeminist*n und anderes rechtsaffines Vergangenheitsfandom), trolle ich nämlich keinen ausgezeichneten Hashtag gegen sexualisierte Gewalt und Sexismus mit dreißig Jahren diskursverzögertem Mimimi über geschlechtergerechte Sprache.

Dass Sie ein paar Jahrzehnte zu spät zur Party sind: Geschenkt. Dass Sie die zur Verfügung stehende Zeit nicht genutzt haben, sich in den Diskurs einzuarbeiten: Nicht so sehr.

Um „Frauisierung“ geht es bei geschlechtergerechter Sprache nicht. Da haben Sie was falsch aufgeschnappt, Frau Rosenfeld. Und mit „aufgeschnappt“ meine ich, dass Sie sich offenbar in Maskulisten-Foren informiert haben, statt bei Sprachwissenschaftler*innen. Ich sag mal: Aua, Frau Rosenfeld. Sie teilen das falsch angeeignete Vokabular mit Nazis und Frauenhassern. (Way to go, wenn Sie dahin wollten.)

Aber zu Ihrer Bequemlichkeit und weil Sie’s vielleicht doch nicht so schnell lernen, erklär ich Ihnen das kurz: Sie meinen wahrscheinlich die sprachliche Berücksichtigung der Tatsache, dass Frauen exisitieren. Keine Ahnung, ob es dafür ein Wort gibt. Vielleicht „Realitätsbezug“.

Geschlechtergerechte Sprache nennt man es jedenfalls nicht. Zur Geschlechtergerechtigkeit fehlt da immer noch eine ganze Menge. Das ist dann der Punkt wo Sie, Frau Rosenfeld, mit Ihrem Binnen-I-Bashing irgendwo in der Vergangenheit feststecken. Das Binnen-I ist eine Ewigkeit her. Wir* haben viel gelernt seitdem. (Ich mach das jetzt mal wie Sie, Frau Rosenfeld: Ich schreibe „wir“ und meine alle, die meiner Meinung sind.)

Um zu geschlechtergerechter Sprache zu kommen, müssen noch eine ganze Menge mehr Menschen berücksichtigt werden als Männer (das sind die, die Sie berücksichtigen wollen) und Frauen (die Sie unnötig finden, zu berücksichtigen): Nämlich alle, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einsortieren (das sind die, wo Ihr Altherrenjournal-Schreiber*innen-Tellerrand schon vor längerem zu Ende war).

„Frauisierung“ dagegen bedeutet im weitesten Sinne u.a., dass Menschen das Geschlecht „Frau“ zugeschrieben wird. Und das nicht immer zutreffend.

Geschlechtergerecht meint ALLE, Frau Rosenfeld. Und das ist, warum Ihr Beitrag ehrlich gesagt ziemlich scheiße ist: Sie informieren sich nicht mal genug, um anderer Leute Anliegen professionell zu verreißen. Sie dreschen auf einen Strohmann ein. Einen „Verweiblichungswahn“, wie sie es so unzutreffend und ableistisch nennen, gibt es jedenfalls nicht. Es geht um mehr als Frauen.

Warum Sie geschlechtergerechte Sprache so sehr stört, will ich überhaupt nicht wissen. Ihr Problem muss es ja nicht sein, wenn Sie sich vom generischen Maskulinum angesprochen fühlen. Whatever floats your boat.

Aber dass Sie geschlechtergerechte Sprache als übergriffig bezeichnen, während in Wirklichkeit Sie es sind, die übergriffig agieren, indem Sie anderen reinreden und absprechen, und versuchen, Ihre Meinung aufzudrücken, verursacht schon fast körperliche Schmerzen, so verdreht ist das.

Bei geschlechtergerechter Sprache geht es nicht um Ihre persönliche Präferenz. Sie sind nicht der Mittelpunkt des Universums. Es geht ganz einfach darum, Leute nicht zu übergehen oder auszuschließen. Wenn Sie sich nicht übergangen fühlen: Schön für Sie. Wenn andere sich übergangen fühlen: Steht es Ihnen nicht zu, das abzusprechen. Sie haben das irgendwie rückwärts verstanden anscheinend. Fast, als hielten Sie Ihre Meinung über die Probleme anderer Leute für mehr wert, als deren eigene. (Lesen Sie vielleicht echt nicht so viel in Maskublogs.)

Sie sexualisieren Gleichstellungsbemühungen, als hielten sie Sex für was Schlechtes. Ich will nicht wissen, wie solche Gedankengänge zustande kommen. Sie widern mich ein bisschen an.

Sie erklären ‚Das Binnen-I, die „-in“-Endungen – sie sind überflüssig geworden.‘ Woher Sie das haben, wissen wir ja bereits. Aber es ist in sich unschlüssig und durch die Realität widerlegt. Eine „Frau Bundeskanzler“ überwindet genausowenig Sexismus wie ein schwarzer Präsident Rassismus. Das sind alles Diskussionen, die so breit geführt wurden, dass ich Ihnen nicht mal abnehme, dass Sie die verpasst haben können.

Sie bashen „Alice-Schwarzer-Opfer-Feminismus“, der mit ihrem Thema so ca. nichts zu tun hat, und merken dabei nicht, wie nah sie dran sind an genau diesem Mindset aus Besserwisserei und Paternalismus, wenn sie Leuten vorschreiben wollen, mit welchen sprachlichen Anachronismen sie sich bitteschön zu arrangieren haben, nur weil es Ihnen persönlich ja gut damit geht.

Und dass Sie Feminist*innen im generischen Maskulinum ansprechen? Ja, ach. Müssen Sie ja selber wissen, welches Niveau Sie für sich für angemessen halten.